Was macht man heute, wenn man jemanden sucht? Richtig, es wird gegoogelt. Und wer einen Partner fürs Leben (oder Sex) sucht, der parshipt oder tindert. Suchmaschinen liefern scheinbar bequem was wir suchen und was am besten passt. Leider aber ist das genau der sozial unintelligenteste Weg passende Partner zu finden. Besser man vertraut auf andere Methoden.

Zugegeben, es ist herrlich einfachen und bequem, wenn man nur ein paar Zeichen in eine Suchmaske eintippt und dann sofort Ergebnisse bekommt. Dagegen ist auch nichts einzuwenden. Sozial unintelligent wird es, wenn man diese Ergebnisse einfach glaubt und keine eigene Bewertung mehr vornimmt. Wenn man also nicht hinterfragt, wie genau dieser oder jene Link nun ganz oben auf die Liste gekommen ist. Und genau da beginnt das Problem: Wer versteht denn noch wirklich, was genau hinter den Suchmaschinen steht, welche Kriterien und Daten verarbeitet werden, also dort wirklich passiert. Zu kompliziert und versteckt sind die wirklichen Vorgänge.

Suchmaschinen konzentrieren zudem die Treffer auf wenige links und führen so dazu, dass wenige viel Aufmerksamkeit bekommen, während die meisten anderen geradezu untergehen und nicht mehr wahrgenommen werden. Wer schaut bitte schon weiter als zwei Seiten, obwohl dort der wirklich passende Treffer sein könnte? Aber die Konzentration auf wenige birgt ungerechte Ergebnisse, sondern nimmt Vielfalt des Menschseins durch eine vereinheitlichte, an Algorithmen angepasste Welt. Aber das ist nicht das Hauptproblem.

Fake News sind ein Teil der Wahrheit für Google & Co.

Um das ein bißchen zu illustrieren ein kleines Beispiel: Sie haben sicher schon von den ominösen „Bots“ gehört, die selbständig Informationen – meistens Lügen („Fake news“) – verbreiten und dabei den Eindruck erwecken, dass ein echter Mensch kommuniziert, obwohl es lediglich ein „Programm“ ist, welches uns da Meldungen auftischt. Nun werden also von diesen „Maschinen“ Dinge oder sogar Fake News verbreitet, die uns betreffen. Aus diesen Daten werden dann die Parameter gewonnen, welche die Ergebnisse zukünftig beeinflussen. Vermutlich passiert da auch noch mehr als wir wissen und erzählt bekommen. In anderen Worten entscheiden also andere was wir sehen und was eben nicht. Wenn dabei Fake News verarbeitet werden, dann sind die Ergebnisse mindestens falsch bis manchmal sogar gefährlich! Das wird nun niemand von wollen. Oder konkreter: Was macht man, wenn die Suchmaschine einen selbst falsch einsortiert. Beispiel: Als ich die Gerechtigkeitsforschung begann, dachten die meisten Menschen, das hat mit Recht zu tun und Justizfehlern. Und schwups: schon warf mich der Algorithmus bei Justizopfer aus. Das ist aber nun mal mehr als falsch. Ich beschäftige mich mit sozialer Intelligenz und dem menschlichen Gerechtigkeitsempfinden als ein (Teil-)Thema davon. Das hat mit Justizopfer oder falschen Urteilen weniger als gar nichts zu tun. Google oder besser sein Algorithmus aber bleibt bei seiner Einschätzung. Und leitet in die Irre! Und kann jedem passieren….

Wer zu uns passt wissen wir am besten selbst

Aber zurück zur Wahl der passenden Partner: Möchten wir auf solcher Basis von einer Maschine allen Ernstes entschieden haben, wer zu uns passt, mit wem wir Bett und Tisch teilen, mit wem wir lachen, wer uns tröstet, wen wir unterstützen? Sicher nicht! Wir sollten das weiter uns selbst überlassen. Also besser sich mit seinen Mitmenschen beschäftigen, als auf Apps zu starren, die uns langsam zu Autisten machen und wir die angeborene Fähigkeit der sozialen Intelligenz langsam aber sicher verlieren. Mimik und Gestik verrät soviel über Menschen, dass wir keine Algorithmen brauchen, um uns richtig zu entscheiden. Man muss sich einfach nur mal verabreden und sich auf ein echtes Gespräch mit Worten, Augenkontakt und Inhalt einlassen. Das erfordert erstaunlicherweise für viele Menschen sehr viel Mut 1. auf sich selbst zu vertrauen und 2. nicht mehr einfach einer Maschine blind zu vertrauen und ihren Ratschlägen zu folgen.

Sozial intelligent auswählen trotz Digitalisierung

Auch, wenn die Digitalisierung sicher nicht aufgehalten wird, so kann man mit ihr sozial intelligent umgehen. Das heißt, sich und seinen Wahrnehmungen dann zu vertrauen, wenn es um einen selbst geht: in der Liebe und anderen zwischenmenschlichen Bereichen. Aber: das heißt nicht auf Suchmaschinen zu verzichten, sondern sie eben sozial intelligent einzusetzen. Solange man nicht oder nicht mehr versteht, was wirklich dahinter passiert, sollte man Suchmaschinen als das betrachten, was sie eigentlich sind: Keine Lebensberater, sondern ein Werkzeug um an Kontakte/Informationen zu kommen. Denn: Suchmaschinen teilen Informationen, nicht Freud, Leid, den Tisch und die eigenen Gefühle. Hinterfragen sollte man deshalb sozial intelligent die Ergebnisse anstatt sie einfach bequem anhand der Reihenfolge der Trefferliste blind zu übernehmen. Zumindest solange nicht, bis man weiß, warum genau die Trefferliste sich so zusammengesetzt hat wie sie auf dem Bildschirm erscheint. Auch, wenn das am Anfang etwas anstrengend sein kann, mittel- bis langfristig macht es das Leben besser. Menschen sind Gemeinschaftswesen, daran ändert auch die Digitalisierung auch nichts.