Kontakte und Beziehungen sollen ja, so sagt der Volksmund, nur dem schaden, der sie nicht hat.  Erfolgreiche Menschen haben in der Regel sehr gute Kontakte und verstehen auch damit umzugehen. So können nicht zuletzt wertvolle Verbündete entstehen. Wie aber funktioniert sozial intelligentes Networking?

Wertloses Sammelalbum statt wertvoller Kontakte

Ein Bekannter eines Freundes ist hier ein anschauliches Beispiel. Dieser Mann, nennen wir ihn hier Peter, strotzte nur so vor Kontakten. Auf dem Schreibtisch von Peter stand ein Bild, das ihn zusammen mit dem US-Präsidenten zeigte. Weitere ehemalige und aktuelle Staatspräsidenten anderer Länder und Wirtschaftslenker reihten sich daneben ein. Zudem wurde er nicht müde, jedem seine Kontakte auf einer sehr bekannten Internetplattform vorzuführen. Aber eigentlich hätte es dieser Vorführung nicht bedurft, denn jeder, der auch auf dieser Plattform war, merkte dies ohne besondere Anstrengung. Diese Plattform hatte nämlich die Funktion, die Kontakte ohne weiteres sichtbar machte. Man konnte bei jedem eigenen Kontakt sehen, welche Kontakte dieser Kontakt hatte, und bei neuen Kontakten über die Plattform angezeigt, über wen man sich kennen könnte. Diese „Über-wen-man-sich-kennen-könnte-Person“ war jemand, der die beiden anderen noch nicht in Kontakt stehenden Menschen kannte. Sie werden jetzt sicher nicht erstaunt sein, dass immer die gleiche Person angezeigt wurde, wenn es um die Kontakte ging: Man kam an Peter nicht vorbei. Man könnte diesen Freund einfach auch omnipräsent nennen. Er war auf dem Kontakthof Internet immer und überall präsent. Aber schauen wir uns einfach mal sein Kontaktmanagement an. Es wurde anlässlich einer Krise auf die Probe gestellt.

Da nicht jeder Mensch nur Freunde hat, gab es eine Konfrontation mit einem Widersacher. Der Auslöser war eine Frau, wobei Peter das Ende der Beziehung zu dieser Frau einem Widersacher im beruflichen Umfeld anlastete. So kam es zum Streit. Obwohl beiden Kontrahenten klar war, dass sie sich benahmen wie die Gockel auf dem Weg in die Hahnenkampfarena, suchten tatsächlich beide die Konfrontation. Selbstverständlich wurde nicht offen, sondern mit anderen Themen gekämpft und versucht dem jeweils anderen ein Bein zu stellen.

Kontakte sind wertvoll, wenn man sie richtig behandelt

Da auch ich mich im Kontaktnetzwerk von Peter befand, bekam ich eines Tages einen Anruf. Er wollte sich mit mir zusammensetzen und die Situation analysieren. Wir machten also einen Termin aus und er erzählte mir die ganze Geschichte. Ich fragte ihn, mit welcher Taktik er in die Konfrontation gehen wird. Darauf schaute er mich entgeistert an und sagte „Den mache ich mit meinen Kontakten platt. Eine Taktik brauche ich nicht. Mir reichen ein paar Anrufe.“ Nun, Sie werden sicher verstehen, dass ich etwas verwundert war. Ich war davon ausgegangen, dass er mit mir eine Taktik entwickeln wollte. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er mich nur sprechen wollte, um sich mit seinen Kontakten zu schmücken. Denn nichts anderes tat er. Er kündigte mir nur den Sieg über seinen Kontrahenten an und verwies als Strategie auf seine Kontakte. Nun, die Konfrontation begann und ich hörte etwa sechs Monate nichts mehr von Peter. Zufällig traf ich meinen Freund, der ja ein „gemeinsamer Bekannter“ von mir und Peter war. Unser Gespräch kam dann auch auf Peter und seinen Konflikt. Ich war nicht sehr erstaunt zu hören, dass er der Unterlegene war. Trotzdem wollte ich die ganze Geschichte erfahren, denn nichts ist so schlecht, dass es nicht auch als schlechtes Beispiel dienen kann. Was war also falsch für Peter gelaufen?

Kontakte nicht nur für Instagram

Peter hat seine Ankündigung wahr gemacht, seine Kontakte angerufen und auch sein Anliegen vorgebracht. Nur hat ihm keiner geholfen oder sich auch nur auf seine Seite gestellt. Alle Kontakte haben sich schlichtweg rausgehalten. Aber warum war das so, Peter hatte doch alle notwendigen Verbindungen?

Es lag nicht an den Kontakten oder deren Güte, es war das wenig sozial intelligente Kontaktmanagement, das ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Peter hat übersehen, dass Kontakte nur so gut sind wie deren Pflege. Und wenn man Kontakte nicht pflegt, dann kann man auch keine Hilfe erwarten. Es fehlt solchen vernachlässigten Kontakten schlichtweg die persönliche Bindung, die die Ursache für das Eintreten für andere ist. Ein Anruf im Ernstfall ist jedenfalls im Sinne einer wirksamen Kontaktpflege deutlich zu wenig. Eine Abfuhr ist dann nahezu vorprogrammiert. Und um auf Peter zurückzukommen: Es ist zwar schön, ein Bild mit sich und dem US-Präsidenten auf dem Schreibtisch oder bei Instagram zu haben, aber es wird wohl von Mr. President wenig Hilfe zu erwarten sein, wenn sich der Kontakt auf das Foto beschränkt.

Allerdings soll das nun nicht bedeuten, dass man sein Netzwerk nur auf solche Personen beschränkt, die man auch einmal die Woche anrufen kann. Ein schlauer Mensch sagt dazu einml: Netzwerken ist wie das Einzahlen auf ein Konto, von dem man nicht weiß, ob und was man davon wird abheben können. Mal ist mehr als man eingezahlt hat, machmal aber weniger oder gar nichts. Sozial intellientes Netzwerken heißt deshalb auch, keine Erwartungen oder Bedingungen an sein Netzwerk zu stellen, sondern schlicht einen verbindlichen Kontakt zu den darin befindlichen Menschen zu halten.

Im Beispiel hat Peter also gleich drei entscheidende Fehler gemacht. Erstens hat er sich auf das bloße Kontaktsammeln beschränkt und seine ganze Zeit anstatt auf die Pflege der wichtigsten Kontakte auf das schlichte Hinzufügen weiterer Kontakte verschwendet. Zweitens hat er die Kontakte nicht sortiert und bewertet. Er hat einfach darauf losgesammelt und dabei eher auf den Prestigewert des Kontakts geachtet. Es mag ein erhebendes Gefühl sein, sich mit Prominenten und Mächtigen auf Fotos etc. zu verewigen, aber das sind natürlich keine Kontakte, die einem im Ernstfall nützen. Der dritte Fehler von Peter war, dass er sich nicht um die Kontakte gekümmert hat und die das auch merken. Das kann schnell zu Verstimmungen ala „kommt-nur-wenn-er/sie-was braucht-von-mir“ führen. Eigentlich hat er so alles sozial unintelligent falsch gemacht, was an Fehlern möglich war.

Kontakte lebendig halten heißt sich auch sehen

Sie sollten das natürlich besser machen. Schaffen Sie sich einfach ein gutes Kontaktmanagement an. Suchen Sie sich ruhig Kontakte, die Ihnen nutzen, aber vor allem: pflegen Sie diese Kontakte. Als Faustformel kann gelten: Wer auf ein Email nicht antwortet oder auch eine Einladung zum Lunch mehrmals „absagt“, den können Sie in der Regel nicht als Kontakt im eigentlichen Sinne einordnen. Eine gute Kontaktpflege zeichnet sich durch ein gesundes Verhältnis persönlichen oder digitalen Begegnungen aus. Im Falle digitaler Kontaktpflege erachte ich das bloße Geben von „Likes“ als nicht ausreichend; es sollte schon einen darüberhinausgehenden Austschau geben, um eine ernsthafte Kontaktpflege darzustellen.

Die gute Kontaktpflege ermöglicht Ihnen, einen vielleicht entscheidenden Gefallen einzufordern. Denn aufgrund der ausgewogenen Vergangenheit wird Ihr Gegenüber Ihnen helfen, denn er weiß ja, dass Sie ihm auch helfen werden, wenn es notwendig sein sollte. Dieses Gefühl der Verpflichtung oder auch das Bewusstsein einer selbstverständlichen Solidarität entsteht aus der Ausgewogenheit eines lebendig gehaltenen Kontakts. Ohne eine solche Pflege ist ein Kontakt wenig wert. Die Kontaktpflege ist das entscheidende Mittel im Kontaktmanagement. Nur dann kann es Ihnen nutzen. Nur das ist auch sozial intelligent.