Ein Ticket ist kein Antrag auf Teilhabe
Ich möchte ins Kinoodeer ins Sadion. Filmbzw Spiel aussuchen, Uhrzeit wählen, Platz buchen. Ein paar Klicks, fertig.
Es sei denn, ich brauche einen Rollstuhlplatz. Dann kann ich ihn möglicherweise im Saalplan sehen, aber nicht buchen. Ich soll anrufen, eine E-Mail schreiben und auf Antwort warten. Aus einem gewöhnlichen Kinobesuch wird eine Anfrage.
Im Fußballstadion wird daraus ein Verwaltungsverfahren. Ich möchte ein Bundesligaspiel des FC Bayern oder ein Länderspiel der Nationalmannschaft sehen. Für Rollstuhlplätze führt der Weg über eigene Bestellformulare. Beim Länderspiel soll ich zusätzlich eine Kopie meines Schwerbehindertenausweises per E-Mail schicken.
Also suche ich das Formular, fülle es aus und schicke es ab. Dann warte ich. Und wenn endlich eine Antwort kommt, steht darin womöglich nicht, ob ich ein Ticket bekomme. Sondern dass ich ein anderes Formular verwenden muss.
Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ich möchte zum Fußball. Stattdessen beschäftige ich mich mit der Frage, welcher Vordruck gerade der richtige ist. Ich habe eine Anfrage gestellt und bin trotzdem keinen Schritt näher an einem Platz im Stadion.
Vielleicht sind für dieses Spiel sogar noch Rollstuhlplätze frei. Ich kann es im normalen Ticketshop nicht zuverlässig feststellen und den Platz dort nicht einfach kaufen. Ein freier Platz nützt mir wenig, wenn der Weg zu ihm durch solche Umwege führt.
Natürlich kann die Nachfrage bei einem besonders begehrten Spiel größer sein als das Angebot. Dann braucht es eine faire Vergabe. Aber dafür brauche ich kein Formular, das womöglich schon wieder veraltet ist. Ein digitales System könnte meine Anfrage entgegennehmen, den Eingang sofort bestätigen und mir sagen, wann ich eine Entscheidung bekomme.
Was diese Umwege kosten, wird gern übersehen. Sie kosten Zeit, Spontaneität und die Möglichkeit, verlässlich zu planen. Vielleicht muss ich eine Begleitperson fragen oder die Anreise organisieren. Vielleicht möchte ich einfach nur wissen, ob ich am Wochenende ins Kino gehen kann. Statt einer Entscheidung habe ich eine offene Anfrage im Postfach.
Oft wird der persönliche Kontakt als besonderer Service dargestellt. Die Menschen, die antworten, können noch so freundlich sein. Doch wenn die Antwort lautet, ich müsse es mit einem anderen Formular erneut versuchen, fühle ich mich nicht besonders gut betreut. Ich frage mich, warum mir der richtige Weg nicht gleich angeboten wurde.
Auch die Begleitkarte rechtfertigt diesen Aufwand nicht. Bei der Buchung ließe sich eine Begleitperson angeben. Einen erforderlichen Nachweis könnte man beim Einlass prüfen. Der organisatorische Aufwand gehört zum Anbieter, nicht auf die Schultern des Gastes.
Ich möchte einen Ticketshop, der mir Rollstuhlplätze anzeigt und sie buchen lässt. Wenn es eine Vergabe gibt, möchte ich eine verständliche Anfrage, eine Eingangsbestätigung und klare Fristen. Und falls ein Formular wirklich nötig sein sollte, dann bitte ein einziges, aktuelles und auffindbares.
Ich will mich auf einen Film oder ein Fußballspiel freuen können. Nicht auf die nächste E-Mail, in der mir erklärt wird, dass ich meinen Wunsch auf dem falschen Vordruck eingereicht habe.
