Unperfekt anfangen gut vorbereitet aufbrechen
„Fang einfach an.“ Diesen Satz hört man oft, wenn jemand ein Projekt vor sich herschiebt. Und manchmal ist er genau richtig. Wer darauf wartet, dass jede Idee ausgereift und jeder Schritt abgesichert ist, wird womöglich nie anfangen.
Aber viele Menschen verwechseln unperfekt mit unvorbereitet. Das ist ein Fehler, der gerade dann teuer werden kann, wenn man etwas wirklich wagen will.
Ein unperfekter Anfang kann gut sein. Der erste Text muss nicht der beste sein, den man je schreiben wird. Ein Vortrag darf sich nach den ersten Auftritten verändern. Eine Reise muss nicht genauso verlaufen wie geplant. Man macht Erfahrungen, erkennt Fehler und entwickelt etwas weiter. So funktioniert das Leben.
Unvorbereitet zu sein bedeutet dagegen, Fragen zu übergehen, die man sich vorher hätte stellen können. Was brauche ich für dieses Vorhaben? Was kann schiefgehen? Welche Unterstützung ist nötig? Welche Folgen haben meine Entscheidungen? Und was mache ich, wenn etwas anders läuft?
Ich wäre nach meinem Schlaganfall niemals wieder aufgebrochen, wenn ich Vorbereitung für einen Feind der Spontaneitätun Perfektion für nötig gehalten hätte bzw. zusätzlichauf den perfekten Moment gewartet hätte Denn: es gibt ihn nicht den perfekten Moment. Meine Einschränkungen verschwinden nicht dadurch, dass ich sie ignoriere. Ich musste klären, wie ich reise, wo ich Hilfe brauche und was ich mir zutrauen kann. Ich habe mit meiner Physiotherapeutin gesprochen, Wege und Unterstützung organisiert und mich auf Situationen eingestellt, die für andere kaum eine Überlegung wert sind.
Das Ergebnis war trotzdem keine perfekte Reise. Das konnte es gar nicht sein. Aber die Vorbereitung gab mir die Möglichkeit, loszufahren und vor Ort eigene Entscheidungen zu treffen. Sie hat meine Freiheit nicht eingeschränkt. Sie hat sie vergrößert.
Natürlich lässt sich nicht alles vorhersehen. Ein Plan schützt nicht vor jeder Schwierigkeit, und manchmal muss man unterwegs improvisieren. Gerade deshalb ist es hilfreich, die Dinge zu klären, die sich vorher klären lassen. Dann bleibt mehr Kraft für das Unerwartete
