Ein neues Leben hat keine Altersgrenze


Wenn ein junger Mensch alles hinter sich lässt und neu anfängt, nennen wir das mutig. Er zieht in eine andere Stadt, wechselt den Beruf, reist los oder versucht etwas, das noch keinen sicheren Ausgang hat. Wir sprechen von Möglichkeiten. Schließlich liegt das Leben noch vor ihm.
Tut jemand dasselbe mit fünfzig oder sechzig, ändert sich der Ton. Dann wird gefragt, ob das vernünftig sei. Ob er nicht langsam wissen müsse, wo sein Platz ist. Ob er sich vielleicht etwas vormacht. Die Entscheidung kann dieselbe sein. Nur die Erlaubnis, sie zu treffen, scheint mit dem Alter kleiner zu werden.
Ich kenne diesen Blick. Nach meinem Schlaganfall war mein altes Leben nicht einfach unterbrochen. Vieles davon war vorbei. Den Beruf, den ich jahrzehntelang ausgeübt hatte, konnte ich nicht mehr so ausüben wie zuvor. Auch mein Körper und meine Belastbarkeit setzten andere Grenzen. Ich musste mir ein Leben aufbauen, das unter diesen Bedingungen überhaupt meines sein konnte.
Wenn ich heute reise, schreibe und einen Vortrag plane, ist das keine verspätete Jugend und kein Versuch, mein früheres Leben nachzuspielen. Es sind Entscheidungen eines Menschen, der weiß, was nicht mehr geht, und trotzdem wissen will, was noch möglich ist. Ich brauche dafür keine Erlaubnis. Aber ich merke, wie schnell andere meinen, über die Angemessenheit meiner Pläne urteilen zu dürfen.

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